Angsthunde aus dem Ausland
...wie wir sie verstehen und sicher begleiten
Veröffentlicht am 05.02.2026 | Lesezeit: 6 Minuten
So helfen Sie Ihrem Tierschutzhund beim Ankommen
Jedes Jahr verlassen Hunde unsere Auffangstationen in Bulgarien mit einem großen Ziel: endlich anzukommen. Für viele von ihnen ist dieser Schritt jedoch nicht nur ein Neubeginn, sondern auch eine enorme emotionale Herausforderung. Besonders sogenannte Angsthunde aus dem Ausland stehen nach der Ankunft vor einer Welt, die sie nicht kennen – und oft auch nicht einordnen können.
Wir begleiten diese Hunde seit vielen Jahren. Dieser Artikel soll Dir helfen, das Verhalten deiner Fellnase aus dem Tierschutz – besonders in den ersten Tagen nach der Ankunft – aber auch Angsthunde besser zu verstehen, realistische Erwartungen zu entwickeln und vor allem: Deinem Hund die Sicherheit zu geben, die er braucht.
Im Mittelpunkt steht dabei immer das Tierwohl – nicht die schnelle Anpassung, sondern der Aufbau von nachhaltigem Vertrauen.
Was bedeutet eigentlich „Angsthund“?
Der Begriff Angsthund beschreibt keinen Charakter, sondern einen emotionalen Zustand. Diese Hunde sind nicht „schwierig“ oder „ungeeignet“, sondern haben gelernt, dass ihre Umwelt unsicher sein kann.
Viele Hunde aus dem Auslandstierschutz haben Erfahrungen gemacht wie:
- Leben auf der Straße
- fehlenden oder wechselnden Kontakt zu Menschen
- Gewalt, Bedrohung oder Verfolgung
- Reizarmut (keine Haushaltsgeräusche, keine Alltagsreize)
Angst ist dabei ein überlebenswichtiger Schutzmechanismus. Was für uns harmlos wirkt – ein Staubsauger, eine Türklingel oder eine Leine – kann für den Hund bedrohlich sein. Fachlich spricht man häufig von:
- Unsicherheitsangst
- generalisierter Angst
- traumaassoziierter Angst
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Häufige Angstgründe bei Auslandshunden

Warum sind Hunde aus dem Ausland besonders oft von Angst betroffen?
Der Umzug in ein neues Land bedeutet für diese Hunde einen kompletten Kontrollverlust:
- neue Sprache (Stimme, Tonfall)
- neue Gerüche
- neue Umgebung
- neue Bezugspersonen
- andere Tagesabläufe
Während viele Hunde aus dem Inland zumindest Umweltreize kennen, treffen Hunde aus dem Ausland oft ohne ausreichende Vorbereitung auf diese Reizüberflutung. Tierschutzorganisationen wie wir versuchen, die Hunde bestmöglich vorzubereiten – aber ein echtes Zuhause lässt sich nicht simulieren.
| Angst-Auslöser | Warum es Angst macht | Mögliche Unterstützung |
|---|---|---|
| Menschen | schlechte oder fehlende Erfahrungen | ruhige Annäherung, kein Zwang, feste Bezugsperson |
| Haushaltsgeräusche | unbekannt, laut, unkontrollierbar | Geräusche ankündigen, leise beginnen, Rückzugsort |
| Leine & Geschirr | Einengen, Kontrollverlust | schrittweise Gewöhnung, positive Verknüpfung |
| Autofahren | Transport mit Stress verknüpft | kurze Fahrten, Sicherheit, ruhige Atmosphäre |
| Alleinsein | Verlustangst | langsam aufbauen, Rituale, Sicherheit |
| Umweltreize (Stadt, Verkehr) | Reizüberflutung | reizarmes Umfeld, kurze Spaziergänge |
Schritt-für-Schritt: So unterstützt Du Deinen Angsthund im Alltag
Allen voran steht eine gute Vorbereitung und Information, bevor du einen Hund adoptieren solltest. Wirf also gerne auch einen Blick in unsere Literaturempfehlungen – hier findest du weitere wertvolle Praxistipps.
1. Ankommen lassen – ohne Erwartungen
Die ersten Wochen dienen nicht der Erziehung, sondern der Orientierung. Dein Hund muss verstehen: „Ich bin sicher. Mir passiert nichts.“. Das bedeutet:
- wenig Besuch
- klare Tagesstruktur
- fester Schlafplatz
- Rückzug jederzeit möglich
2. Sicherheit durch Vorhersehbarkeit
Angsthunde profitieren enorm von festen Abläufen:
- gleiche Spaziergehzeiten
- gleiche Wege
- gleiche Futterzeiten
Je vorhersehbarer der Alltag, desto weniger Stress entsteht.
3. Nähe anbieten, aber nicht erzwingen
Viele Hunde brauchen Nähe, trauen sich aber nicht.
- sprich ruhig
- setz Dich auf den Boden
- lass den Hund den Kontakt beginnen
Ignorieren kann oft vertrauensvoller sein als Zuwendung.
4. Angst ernst nehmen
Angst lässt sich nicht „wegtrainieren“:
- kein Ziehen
- kein Zureden
- kein Trösten in Panik
Stattdessen: ruhig bleiben, Abstand schaffen, Situation verlassen. Eine ruhige Hand auf der Brust deines Hundes kann erdend wirken.
5. Kleine Erfolge feiern
Ein Blickkontakt. Ein Schritt nach vorne. Ein entspanntes Liegen. Fortschritte bei Angsthunden sind oft leise, aber enorm wertvoll. Ist deine Freude auch noch so groß, bleib ruhig und entspannt. Überschwängliches Loben und ruckartige Bewegungen können in diesen Momenten einschüchternd wirken und kontraproduktiv sein.
6. Professionelle Hilfe zulassen
Ein:e erfahrene:r Trainer:in mit Schwerpunkt Angst- und Traumahunde kann Gold wert sein. Wir stehen dir auch gerne mit all unserer Erfahrung zur Seite, scheue dich also nicht Kontakt aufzunehmen.
Die häufigsten Fehler im Umgang mit Angsthunden

Angst verschwindet nicht durch Druck – sondern durch Vertrauen und dadurch, dass dein Hund erlebt, dass du ihn nicht in überfordernde Situationen bringst.
Vermeide also folgendes:
- „Er muss da jetzt durch“
- zu schnelle Reizsteigerung
- körperliches Festhalten
- Mitleid statt Struktur
- Vergleiche mit anderen Hunden
- falsche Erwartungen an Zeit und Entwicklung
Wenn du unsicher bist, wie du dich verhalten sollst, entscheide dich immer für den Weg, der Druck reduziert und Sicherheit erhöht. Geh einen Schritt zurück, verlang weniger und gib deinem Hund Zeit, selbst eine Lösung zu finden.
Unser Fazit: Nicht jeder Hund mit Angst ist, geschweige denn bleibt, ein Angsthund
Angsthunde aus dem Ausland bringen kein leichtes Gepäck mit – aber sie bringen Tiefe, Sensibilität und eine besondere Art von Bindung. Wenn Du bereit bist, Zeit gegen Vertrauen zu tauschen, schenkst Du einem Hund nicht nur ein Zuhause, sondern eine neue Welt. Und genau dafür machen wir Tierschutz.
Dein Team von Hopehunter ï»ż
Häufige Fragen zu Angsthunden aus dem Ausland (FAQ)
Wie lange dauert es, bis ein Angsthund Vertrauen fasst?
Das ist individuell. Erste Entspannung kann nach Wochen eintreten, echte Sicherheit oft erst nach Monaten. Rückschritte sind normal. Bleib dran und besinne dich auf eine ruhige und besonnene Führung deines Hundes. Auch deine Beständigkeit sorgt für Vertrauen und Sicherheit.
Wird mein Hund jemals ânormalâ?
Dein Hund wird sein eigenes "Normal" entwickeln. Viele Angsthunde werden erstaunlich souverän – andere bleiben sensibel, aber stabil. Bei den meisten unserer Tierschutzhunde aus Bulgarien ist eine vollständige Integration und Sozialisierung in den Alltag im Für-Immer-Zuhause möglich gewesen.
Einige Hunde sind von Grund auf ängstlicher als andere, hier gilt es gemeinsam die richtigen Ankerpunkte und Kompromisse zu finden. Im Zweifel helfen Hundeschulen und spezielle Trainer:innen bei individuellen Problemen und Herausforderungen.
Soll ich den Hund trösten, wenn er Angst hat?
Ruhige Präsenz ja – emotionale Aufregung oder übertriebenes Trösten eher nein. Sicherheit entsteht durch Ruhe.
Ist ein Angsthund fĂŒr AnfĂ€nger:innen geeignet?
Das hängt weniger von Erfahrung als von Geduld, Lernbereitschaft und Selbstreflexion ab.
Bevor wir einen Hund vermitteln, klären wir deine Fragen bei der Vorkontrolle und schlagen dir geeignete Hunde aus unserem Tierheim in Bulgarien vor. Margo und Barbara schätzen jeden Hund individuell ein, sodass Anfänger:innen auch ein Tier erhalten, dass sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gut im neuen Zuhause einfügt.
Doch auch hier gilt: Ein echtes Zuhause lässt sich nicht simulieren. Aber wir sind für dich da, damit euer Start so reibungslos wie möglich abläuft.
Kann ein Zweithund bei einem Angsthund aus dem Ausland helfen?
Manchmal ja – manchmal verstärkt er Unsicherheit. Das sollte individuell bewertet werden. Lass uns hierzu am besten direkt via E-Mail oder Telefon austauschen, um erste Fragen zu klären. Spätestens mit der Vorkontrolle machen wir und dann ein Bild von deinem Zweithund, sodass wir noch besser schauen können, welcher Hund zu dir passt.
Vertrauenswürdige Einordnung & Quellen
Viele Inhalte dieses Artikels orientieren sich an anerkannten Erkenntnissen aus dem Tierschutz und der Verhaltensbiologie, unter anderem:
- Vier Pfoten: Der Angsthund aus dem Auslandstierschutz – ein Klassiker
- Bundesverband für Tierverhaltensberatung und -training (BVZ)
- Erfahrungswerte aus unserer täglichen Tierschutzarbeit in Bulgarien ï»ż
Über die Autorin
Lea Sandmann ist im Bereich Content und Suchmaschinenoptimierung tätig. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Erstellung strukturierter, fachlich fundierter Inhalte. Mit ihren Texten unterstützt sie Hopehunter ehrenamtlich bei der Aufklärungsarbeit im Tierschutz.


Über hopehunter
Seit vielen Jahren setzen wir uns engagiert für Tiere in Not ein und unterstützen Menschen, die ihnen helfen möchten. Als erfahrene Ansprechpartner im Tierschutz stehen wir Ihnen mit fundierter Beratung rund um die Vermittlung von Hunden und Katzen aus unserem Partner-Tierheim Animal SOS in Burgas, Bulgarien, zur Seite. Unsere Arbeit basiert auf Transparenz, fachlicher Expertise und einem respektvollen, vertrauensvollen Umgang mit Tieren und Menschen gleichermaßen.





