Wie alles begann...

Im Mai 2008 brachte Nadine Begoin einen 13 Wochen alten, abgemagerten und schwer verwahrlosten Welpen von der Ferieninsel Teneriffa mit nach Deutschland. Der Kopf der kleinen Hündin war durch einen bereits ausgeheilten Schädelbruch total entstellt. Starke Schmerzen sowie die Fähigkeit zur problemlosen Futteraufnahme würden den Hund, wachstumsbedingt, zukünftig stark beeinträchtigen. Eine kostspielige, gefährliche Operation wurde Anfang September durchgeführt. Wenige Tage später durfte Hope wieder nach Hause zu ihrer Retterin Nadin Begoin, die alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um der agilen Hündin zu helfen. Bald darauf wurden die Fäden gezogen. "Das Tier ist über den Berg, die Röntgenaufnahmen sind hervorragend, jetzt kann die Kleine nichts mehr aufhalten", verkündete die Tierklinik. Endlich konnte sie mit ihrer Schnauze einen Ball halten, endlich ein Schweineohr knabbern. An diesem ersten Tag der großen Freude, am 18. September 2008, riss sich die kleine Hundin voller Lebensfreude von der Leine. Rennen wollte sie und spielen. Sie wurde von einem Auto erfasst und getötet.
So unfassbar dieses Schicksal ist, so tragisch das kurze Leben der kleinen Hope - bald darauf stand der Entschluss fest, einen Verein zu gründen, im Andenken an Hope, die Hoffnungsjägerin.
Hierzu erschienen am 11.09.2008 unter www.derwesten.de:
Hoffnung für einen kranken Hund
von Beatrix Gutmann
Essen. "Hope", die zirka 18 Wochen alte Hündin, hat schlimmes Leid auf Teneriffa erfahren. Der erst wenige Wochen alte Hund war völlig abgemagert und verwahrlost, als Tierschützerin Nadine Begoin die Mischlingsdame nach Deutschland holte. Hier soll der Hund nun operiert werden.
Ein bereits angeheilter Schädelbasisbruch entstellt das Gesicht des Welpen so sehr, dass seine linke Kopfhälfte zerknautscht wirkt und er die Schnauze nur halbseitig öffnen kann.
"Offenbar wurde sie einfach gegen eine Klippe geworfen, wo Urlauber das Tier fanden. Das linke Auge ist durch den Schädelbruch hinter die Verknöcherung gerutscht", berichtet Nadine Begoin. "Das hindert sie jedoch nicht daran, sich fröhlich, wie jeder andere Welpe in ihrem Alter auch, zu gebärden."
Schmerzen habe sie bislang keine. Noch nicht, sagt die Tierschützerin, aber mit fortschreitendem Alter und Erhärtung der Knochen, werde sie in Zukunft Schwierigkeiten haben, Nahrung zu sich zu nehmen. Die Kiefernknochen der linken Seite sind komplett zertrümmert.
Vor einigen Jahren ist Nadine Begoin durch einen Artikel in der WAZ angeregt worden, sich mehr um hilfsbedürftige Tiere zu kümmern. So wurde sie auf das Tierheim in Valle Colino auf Teneriffa aufmerksam. Dort leben dauerhaft 30 bis 50 Hunde. Gisela Zifferer, eine Deutsche, leitet dieses Tierheim und kümmert sich um die Vermittlung und Betreuung der Hunde.
Nadine Begoin lebt in Essen und leistet humanitäre Arbeit beim Deutschen Roten Kreuz. Die Studentin hat die kleine Hope aus Teneriffa mitgenommen, als diese 13 Wochen alt war. Seitdem hat sich der Zustand des agilen Vierbeiners um ein Vielfaches gebessert. Die kleine Hündin ist aufmerksam und verspielt. Eine Operation kann ihre Situation erträglicher machen und ihr ein einigermaßen beschwerdefreies Leben ermöglichen.
"Ich habe sämtliche Kliniken in Deutschland konsultiert, jeder Arzt lehnte diese komplizierte Operation ab. Schließlich hat sich die Tierklinik in Hofheim im Taunus bereit erklärt, den Eingriff zu wagen", sagt die junge Frau. Die Kosten für die Operation betragen zwischen 4000 und 5000 Euro.
Diese teure Operation kann sich Begoin nicht leisten und auch das Tierheim Teneriffa hat nicht die finanziellen Möglichkeiten. "Aber das war mir egal, notfalls hätte ich um Spenden gebeten oder sogar einen Kredit aufgenommen", so Begoin.
Zum Glück gab es unerwartete Hilfe vom Europäischen Tier- und Naturschutz. Die Verantwortlichen des Vereins sind auf das Engagement der jungen Frau aufmerksam geworden und haben sich bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen.
"Tiere sind mein Leben. Um ihnen auch in Zukunft noch mehr helfen zu können, absolviere ich zusätzlich eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin", erzählt die Essenerin. "Es fällt mir immer schwer, mich von meinen Pflegehunden zu trennen, aber ich achte sehr darauf, dass die Hunde in liebevolle Hände geraten. Auch nach der Vergabe halte ich Kontakt zu den neuen Besitzern."
Hope möchte sie behalten. Sie sei etwas ganz Besonderes. Man spüre ihren unbändigen Lebenswillen, sonst hätte sie den Tötungsversuch nicht überlebt, davon ist Begion überzeugt: "Ich glaube, es ist kein Zufall, dass sie jetzt hier bei mir in Deutschland ist. Ich bin ganz sicher, sie sollte zu mir kommen."
Aber nicht nur die kleine Hope ist eines der Opfer, um die sich Nadine Begoin kümmert. Ihre Rhodesian-Dogge Mix Maronja ist ein lammfrommer Schoßhund im falschen Körper. Mit ihr hat damals alles angefangen: Maronja benötigte einen Pflegeplatz, weil sie an Filinosis erkrankt war. Das ist eine lebensbedrohliche Herzerkrankung.
Die engagierte Tierschützerin hat sich damals zur Aufgabe gemacht, den großen Hund zu pflegen - mit Erfolg. Seit ihrer Genesung lebt Maronja dauerhaft bei Nadine in Essen.
Fanny, eine Hündin mit fehlgestellten Vorderbeinen, wurde erst kürzlich von ihr erfolgreich in eine Familie vermittelt, die von dem kleinen Hund begeistert ist. Auch diesen Hund hat Nadine Begoin aus Teneriffa mitgebracht.
"Die Zuckerpüppchen wollen alle, die armen Kreaturen bleiben meist über. Es gibt jedoch zum Glück genügend Menschen, die sich nicht an optischen Unvollkommenheiten stören, sondern spüren, wie treu und anhänglich die eher vernachlässigten Tiere sind", sagt Begoin.
Bereits in wenigen Tagen entscheidet sich, ob und wie das Leben der kleinen Hope weitergeht. "Hope ist eine Amazone," sagt Begoin, "sie hat sich bis hierher gekämpft und sie wird leben!"
NACHTRAG:
Leider konnte dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen. Am 18. September 2008 wurde Hope von einem Auto erfasst und getötet.

